Threads in the Dirt – durch das Herz des Mountainbikens
Enduro-Mountainbiker Matthew Fairbrother hat den legendären Sea-to-Sky-Korridor in British Columbia, Kanada nonstop absolviert. Eine Geschichte über Ausdauer, Gemeinschaft und die tiefe Verbindung zwischen Menschen, Trail und Bike-Historie.
Threads in the Dirt – durch das Herz des Mountainbikens
Der kanadische Sea-to-Sky-Korridor von Pemberton über Whistler und Squamish nach North Vancouver gilt für viele als Ursprungsort dessen, was Mountainbiken heute ist. So begann auch für den neuseeländischen Ergon Fahrer Matthew Fairbrother die Faszination der Strecke in British Columbia lange bevor er selbst kanadischen Boden betrat. In seinem Jugendzimmer zuhause sah er Videos von tiefem Lehm, endlosen Wurzelfeldern, steilen Felsplatten und waghalsigen Rampen aus Holz – Trails, die wirkten, als stammten sie von einem anderen Planeten. Die Fahrer, die Builder und die gesamte Szene, die sich in diesen Videos spiegelten, prägten früh sein Bild davon, was auf dem Mountainbike möglich ist.
Zurück zu den Wurzeln – zum ersten Mal
Als er 2022 erstmals selbst nach Whistler reiste, um seine erste Enduro-World-Cup-Saison zu bestreiten, war es überraschenderweise nicht das Gelände, das den größten Eindruck auf ihn hinterließ – es waren die Menschen. Noch bevor er landete, erreichte ihn die Unterstützung der Community – Begrüßungs-Nachrichten, Hilfsangebote, ehrlich gemeinte Offenheit. Für jemanden, der vom anderen Ende der Welt kam und mühsam genug Geld zusammengekratzt hatte, um überhaupt an den Startlinien der Weltcups stehen zu können, bedeutete dieses Gefühl der Zugehörigkeit mehr als das Rennen selbst.
Aus dieser innigen Beziehung entstand bald die Idee zu „Threads in the Dirt“. Zwar war Fairbrother bereits zweimal in der Region gewesen, doch beide Male mit Tunnelblick: Rennen, Filmdrehs, Deadlines. Gesehen hatte er immer nur Fragmente des legendären Sea-to-sky-Korridors. Diesmal sollte es anders sein.
Das Ziel: Die gesamte Strecke in einem einzigen, zusammenhängenden Kraftakt erleben: ein Tag, vier Regionen, jeweils die höchsten Abfahrten von Pemberton, Whistler, Squamish und North Shore.
Die Route vereint alles, wofür die kanadische Region im Westen des Landes steht. Vom alpinen Hochland Pembertons über Whistlers rohe, technische Trails, Squamishs Granit und Lehm bis hin zu den wurzeldurchgezogenen, holzigen Klassikern der North Shore - ein Querschnitt durch die DNA des Mountainbikens.
Neben alldem sind auch die Zahlen dieser Tour beeindruckend:
- 332 Kilometer Gesamtdistanz
- 10.250 Höhenmeter
- 23 Stunden und 48 Minuten Gesamtdauer, davon 22 Stunden und 15 Minuten Fahrtzeit
© Strava
Eine Liga für sich
Obwohl Neuseeland mit Weltklasse-Trails gesegnet ist, wird Matthew Fairbrother schon bei der Ankunft in British Columbia klar: Der Sea to Sky spielt in einer anderen Liga. Die Vielfältigkeit und Intensität der Trails, so wird ihm schnell klar, würde ihn dazu zwingen, über sich hinauszuwachsen. Unterstützt wird er durch die Community, die in dieser Region Werte verkörpert, die tief mit seiner eigenen Haltung zum Sport verknüpft sind. Eine Community, die gemeinsam Trails baut, sich unterstützt und den Sport als Ganzes voranbringen will. Dazu kommt eine kompromisslose „Get it done“-Mentalität, die Grenzen nicht akzeptiert, sondern es als Herausforderung ansieht, diese zu überwinden.
(K)ein Ride, wie jeder andere
Zweifel hat Matthew Fairbrother vor dem Start kaum. Im Kern ist es für ihn ein weiterer Ride – nur länger, höher und mit weit mehr Exposure, als viele zuvor. Das Risiko liegt weniger im Unberechenbaren als in der schieren Dimension. Mehr Zeit im Sattel bedeutet mehr Ermüdung, mehr potenzielle Probleme und weniger einfache Lösungen. Das richtige Equipment ist darum entscheidend für den Erfolg. Fairbrother setzt auf den Ergon SM Comp Men Sattel, die GA2 Griffe und die HE2 Handschuhe, um für die Herausforderung gerüstet zu sein. Sobald er auf dem Bike sitzt, reduziert sich alles auf das Motto „in Bewegung bleiben“. Gedanken ans Aufgeben hat er nicht. Er weiß, dass es hart wird, aktzeptiert, dass er leiden wird. All das ist jetzt zweitranging, er fokussiert sich auf den Trail vor ihm.
Erschöpfung, Euphorie und magische Momente
Die Highlights der Tour warten jeweils am Ende der langen Anstiege auf Matthew Fairbrother. Auf jedem Gipfel vereinen sich Müdigkeit und Anstrengung zu dem Gefühl „Du hast dir das verdient.“ In den Abfahrten vermischt sich alles – der wilde Mix aus Erschöpfung und Euphorie ist es, der Projekte wie dieses befeuern. Ein Zustand der Zufriedenheit, den man anders kaum erreichen könne, meint Fairbrother.
Der Abschluss auf der North Shore ist einer der seltenen Momente, in denen Matthew Fairbrothers Stolz auf seine Leistung ist. Normalerweise richtet er den Blick schnell nach vorn, zur nächsten Idee, zur nächsten Herausforderung. Am Ende dieses Tages jedoch genießt er erst einmal ausgiebig das überwältigende Gefühl, diesen ambitionierten Plan umgesetzt zu haben. Sein Respekt für den Sea-to-Sky-Korridor, seine Geschichte und die Menschen um die Trails ist nach dieser außerordentlichen Fahrt größer denn je.
„Am Ende hinterlassen wir alle etwas,“ meint Fairbrother, „genau so bleibt ein Vermächtnis lebendig.“