Never Enough!
Ergon Video-Manager Sascha Bamberg ist mittlerweile 42 Jahre alt und lebt das Thema Gravity Mountainbiking immer noch wie kaum ein anderer – mit Style, Airtime und ungebrochener Leidenschaft fürs Bike. Aber auch kein Wunder, denn sein Spitzname ist ja nicht umsonst „Bam Hill“…
„Das Leben ist zu kurz für Langeweile – Geh raus und lebe deinen Traum.“
Es ist schon weit über 20 Jahre her, als unser Autor Sascha zum ersten Mal traf, aber er erinnert sich noch genau. Er schrieb damals für ein großes deutsches Jugendsport-Magazin und machte eine Slopestyle-Geschichte beim Bikefestival in Willingen mit dem damaligen Kölner Freeride-Shootingstar Simon Kirchmann. Da fiel ihm einer von Simons Buddies auf, mit denen der unterwegs war – er hatte einen genialen Style: flowig, aggressiv, massig Airtime und gleichzeitig geschmeidig wie eine Katze und er fuhr quasi alle Gravity-Disziplinen – Downhill, Freeride, Slopestyle, Dirt – sein Name: Sascha Bamberg, aka „Bam Hill“. Schon allein der Name verpflichtet und Sascha macht ihm heute noch alle Ehre…
Sascha ist einer, der das Thema Fahrrad nicht nur lebt – sondern atmet. Für den 42-jährigen Familienvater ist das Bike nicht nur ein Fortbewegungsmittel, so wie Rad fahren nicht nur irgendein Sport ist. Er ist überzeugt davon, dass Radfahren dein Leben verändern und dich sogar zu einem besseren Menschen machen kann. Nach über zwei Jahrzehnten im Sattel, als Downhill-Racer und Fahrtechnik-Coach, bringt der Kölner nicht nur jede Menge Erfahrung mit – sondern weiß genau, worauf es beim Biken wirklich ankommt.
Hier seine persönlichen Tipps, damit ihr genauso viel Spaß am Biken habt wie der Meister selbst und vielleicht in 20 Jahren auch noch durch die Gegend shredden könnt.
Have Fun
Spaß ist der Motor! Egal ob mit vier oder über vierzig – ohne Spaß keine Leidenschaft. Und ohne Leidenschaft keine Entwicklung. So einfach, so wahr.
Airtime
Die Grenzen im MTB-Sport werden stets neu ausgelotet – während ein Backflip vor 20 Jahren noch ein Hammer-Move war, gehört er heute für die Young Guns schon zum Standard-Repertoire. Der Sport hat sich weiterentwickelt und somit auch die Dimensionen von Sprüngen. Wer auf fette Airtime aus ist, sollte klein anfangen und sich langsam an die großen Sprünge rantasten. Step by Step. Denn: Das Gefühl zu fliegen ist großartig – Crashen dagegen eher nicht.
„Das Gefühl zu fliegen ist großartig – Crashen dagegen eher nicht.“
Speed
Tempo bringt Stabilität – das stimmt. Trotzdem gilt auch hier: Schritt für Schritt, statt immer direkt Vollgas. Klar, niemand fährt gern mit angezogener Bremse. Aber gerade bei hohen Geschwindigkeiten müssen sich Kopf und Körper erst an die Dynamik gewöhnen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Wahrnehmung und Reaktion: Augen, Gehirn und Körper müssen lernen, die Strecke schnell zu erfassen, Linien richtig zu lesen und im richtigen Moment zu handeln. Erst, wenn das funktioniert, wird aus Tempo echter Flow – und man schießt kontrolliert den Trail hinunter, statt ungewollt Bekanntschaft mit dem nächsten Baum zu machen.
Skills
Tricks sind mehr als nur Spielerei – sie bringen Spaß, sehen gut aus und schulen ganz nebenbei Körpergefühl, Beweglichkeit und Kreativität. Während Abläufe in jungen Jahren oft noch intuitiv funktionieren, braucht es später etwas mehr Bewusstsein. Entscheidend ist die Vorstellungskraft: „Wer einen Trick oder Sprung im Kopf klar ‚abspielen‘ kann, hat ihn quasi schon zur Hälfte gemeistert.“ Bleiben Zweifel, ist es besser, einen Schritt zurückzugehen und an einfacheren Bewegungen zu arbeiten, bevor man den nächsten Move macht.
„Wer einen Trick oder Sprung im Kopf klar „abspielen“ kann, hat ihn quasi schon zur Hälfte gemeistert.“
Progression
Fortschritt entsteht durch den richtigen Mix aus Mut und Kontrolle. Zu viel Druck führt schnell zu Fehlern – und im schlimmsten Fall zu Verletzungen und längeren Pausen. Zu viel Vorsicht hingegen bremst die Entwicklung aus. Entscheidend ist eine ehrliche Selbsteinschätzung: Wer seine Grenzen kennt und gezielt erweitert, schafft die Basis für konstante Progression und langfristigen Spaß auf dem Bike.
Kontrolle
Wirkliche Bike-Kontrolle kommt nicht von allein – sie ist das Ergebnis von kontinuierlichem Training. Je mehr unterschiedliche Situationen man erfährt, desto größer wird das eigene Repertoire an Lösungen. Genau daraus entstehen Sicherheit und Flow. Dabei lohnt sich der Blick über den Tellerrand: Auch Sessions im Dirt oder Park zahlen direkt auf die Performance auf dem Trail oder der Downhill-Strecke ein. Jede Facette des Sports erfordert unterschiedliche Skills, die sich aber übergreifend sehr gut ergänzen.
Erfahrung
Erfahrung bekommt man nicht geschenkt – man muss sie sich selbst erarbeiten. Gute wie schlechte Erlebnisse gehören dazu. Entscheidend ist, welche Schlussfolgerungen man daraus zieht. Schlechte Erfahrungen schützen dich davor, Fehler erneut zu machen, während Erfolgserlebnisse dich weiter nach vorne pushen. Am Ende zählt vor allem, überhaupt rauszugehen und Erfahrungen zu sammeln – statt auf der Couch zu versacken.
„Erfahrung bekommt man nicht geschenkt – man muss sie sich selbst erarbeiten.“
Fokus
Auf dem Bike rücken die Sorgen des Alltags schnell in den Hintergrund. Die Konzentration auf Geschwindigkeit, Linie oder Sprung lässt kaum Raum für andere Gedanken. Besonders intensiv wird dieses Gefühl bei Nightrides: Im Lichtkegel der Stirnlampe reduziert sich die Welt auf das Wesentliche – alles andere verschwindet in der Dunkelheit. Übrig bleibt reiner Fokus.
Community
Mountainbiken kann man auch alleine – aber gemeinsam macht es am meisten Spaß. Fahren mit Freunden motiviert, pusht und beschleunigt die eigene Entwicklung. Sich gegenseitig zu beobachten, analysieren und Tipps geben bringt oft den entscheidenden Impuls. Gerade beim Lernen von Tricks oder Downhill-Skills zahlt sich der Austausch aus. Und nicht zuletzt zeigt sich immer wieder, wie schnell gerade Jüngere allein durchs Zuschauen lernen. Aber was am wichtigsten ist – es geht doch nichts über einen ordentlichen Trashtalk mit den Best Buddies.
Cool bleiben
Nicht jede Session läuft perfekt. Es gibt Tage, an denen alles funktioniert – und solche, an denen nichts richtig zusammenpasst. Wichtig ist, ruhig zu bleiben und sich nicht unter Druck zu setzen. Fortschritt passiert selten auf Knopfdruck. Wenn es nicht läuft, hilft es, den Fokus zu wechseln, an etwas anderem zu arbeiten – und beim nächsten Mal mit frischem Kopf zurückzukommen.
„Fortschritt passiert selten auf Knopfdruck.“
Fazit
„Mit fast 43 versuche ich immer noch, meine Grenzen auszuloten.“
Das Leben ist zu kurz für Langeweile. Älter werden im Gravity-Sport ist sicher eine Herausforderung – aber definitiv kein Widerspruch. Wer regelmäßig auf dem Bike sitzt und sich immer wieder fordert, hält nicht nur seinen Körper, sondern auch den Kopf fit und jung. Am Ende heißt es einfach dranbleiben und den Sport weiterleben. So kann man den jungen Hüpfern auch mal zeigen, wer der Babo ist und vor allem eins klarstellen – dass man auch im Alter noch Spaß haben kann…